Wasserrad-Team

Das  Wasserrad – Team trifft sich nach Bedarf am Wasserrad beim Gailbumber. Wer sich gerne handwerklich einbringen möchte, möge sich bitte bei uns melden.

 

In Weingarten entlang des Walzbaches gab es in früheren Zeiten insgesamt fünf Mühlen. Als es noch keinen elektrischen Strom gab wurden diese Mühlen durch Wasserkraft angetrieben. Eine davon war die sogenannte „Untermühle beim Gailbumber“ am Anwesen Kirchstraße 3. Bis zum 1. Weltkrieg war dies eine Getreidemühle, danach wurde sie zur Ölmühle umgebaut und kurze Zeit später stillgelegt.

 

 

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Das damalige Wasserrad (Mühlrad) hatte einen Durchmesser von 4,8 m, saß auf zwei, mit einer Welle verbundenen Lagern, wobeidas 2. Lager mit der Antriebswelle für die Mühle sich im Haus befand. Mit der Einführung der Elektrizität in Weingarten übernahm der Elektromotor den Antrieb, so dass Wasserräder nicht mehr gebraucht wurden.

Der alten Mühlrad-Romantik folgend hatten Ernst Wolf und Ewald Gablenz im Jahre 1994 die Idee, an dieser Stelle wieder ein Wasserrad zu installieren. Vom Gemeinderat wurde dieses Vorhaben befürwortet, wobei die Baukosten überwiegend von Sponsoren getragen werden sollten. Ernst Wolf und sein Sohn Paulmachten sich an die Arbeit für ein neues Wasserrad, erstellten die Pläne und Berechnungen zur Vorlage beim Landratsamt in Karlsruhe.

 

 

Im September 2000 wurde die Genehmigung zum Bau und Installationdes Wasserrades am „Gailbumber“ erteilt. Zwei Jahre später war das neue Wasserrad fertig installiert und wurde am 28 September 2002 mit einer Einweihungsfeier der offiziellen Bestimmung übergeben. Für den Bau dieses Vorhabens wurden die Geldmittel von der Gemeinde Weingarten bereitgestellt. Die gesamte Finanzierung war aber nur möglich dank der großzügigen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, den Zuschüssen vom Bürger- und Heimatverein Weingarten sowie durch Spenden von Bürgern der Gemeinde Weingarten.

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Zeichnung von Paul Wolf als Anlage zum Genehmigungsverfahren

Das neue Wasserrad mit einen Durchmesser von 3,3 m, nur einseitig „fliegend gelagert, ist eine Symbiose aus Stahl für die Tragkonstruktion, rostfreiem Edelstahl für die 32 Schaufelträger welche mit Holzschaufeln aus Eichenholz aus dem Weingartener Wald bestückt wurden. Die Bauart nach dem „Zuppinger“-Prinzip nutzt neben dem vorhandenen geodätischen Gefälle von 1,2 m auch noch die Fließgeschwindigkeit des Wassers für die Energiegewinnung. Die Drehzahl des Wasserrades beträgt ca. 10 Umdrehungen pro Minute. Über ein in der Nabe eingebautes Planetengetriebe und ein nachgeschaltetes Stirnradgetriebe wird die Drehzahl noch über einen Riementrieb auf die Betriebsdrehzahl des Generators von ca. 1.000 U/min. gebracht. Der Generator erzeugt bei vollem Wasserzufluss vom Walzbach her eine Energieleistung von ca. 1,3 kW pro Stunde, welche in das öffentliche Netz mit eingespeist wird.

 

 

Seit der Inbetriebnahme im Jahre 2002 werden pro Jahr je nach der Wasserzuführung vom Walzbach her etwa 4.000 bis 9.000 kWh in das Netz eingespeist, ein kleiner Beitrag für eine umweltfreundliche Energieerzeugung. Die von der EnBW als Netzbetreiber bezahlte Vergütung von derzeit 7,67 EURO-Cent pro kWh geht an die Gemeinde Weingarten als Eigentümer der Anlage.

 

Die Betreuung und die anfallenden Wartungsarbeiten übernimmt ein Team von ehrenamtlich tätigen Bürgern der Gemeinde Weingarten. Das im Walzbach mittreibende Schwemmgut, bestehend aus Holzstücken, Ästen, Zweigen, Gartenabfällen und abgestorbenen Wasserpflanzen sowie Unrat aus Plastikbechern und Flaschen muss, insbesondere nach Regenfällen, von den aus sicherheitstechnischen Gründen im Zufluss zum Wasserrad eingebauten Rechen entfernt werden. Eine oft mühevolle Arbeit!

Bei den jährlich durchgeführten Inspektions- und Wartungsarbeiten an den Anlageteilen, werden neben dem Ölwechsel für die Getriebe auch die Schaufeln und das Gestänge vom angehefteten Schmutz-, Kalk- und Moosbelag gesäubert. Die angebrochenen Eichenholzschaufeln –verursacht durch mitangeschwemmte Holzstücke –werden sukzessive  durch Schaufeln aus Kunststoff ersetzt. Diese Kunststoffschaufeln wurden von der Firma Alltech aus Weingarten kostenlos zur Verfügung gestellt und halten wesentlich länger als die Schaufeln aus Eichenholz. Nach Durchführung solcher Arbeiten, meist über 1 bis 2 Tage sind die Team-Mitglieder zwar zufrieden, aber auch erschöpft von der schweißtreibenden Arbeit.