Der Pfleghof vom Kloster Weißenburg

von Hubert Daul

 

Die Entstehung eines Ortes ist immer verbunden mit der Jahreszahl seiner Erstnennung in historischen Urkunden. Das gilt auch für unser Wein-garten. Heute ist gesichert, dass Weingarten im 9. Jahrhundert mehrmals in Quellen erwähnt wird, aber noch ohne genaue Jahreszahl. Die erste urkundliche Erwähnung von einem „wingarten ultra renum“, das heißt von „einem Weingarten  jenseits des Rheins“ stammt aus dem Archiv des Benedik-tinerklosters Wissembourg (Weißenburg) im Elsass im Jahre 985/991. Dieses Kloster war im 7. Jahrhundert von einem Speyerer Bischof gegründet worden, gewann durch Stiftungen des Adels und lokaler Grundbesitzer  Ländereien im Elsass, der Pfalz und im rechtsrheinischen Ufgau und entwickelte sich zu einem der reichsten und auch kulturell bedeutendsten Klöster des Fränkischen Reiches. Ein frühes Zeugnis der deutschen Sprache und Literatur bildet das Evangelienbuch, das der Weißenburger Mönch Otfrid um 860 schuf.Stiftskirche Peter & Paul

in Wissembourg,

Teil des früheren Klosters

Die erstmalige Nennung Weingartens verdanken wir dem Weißenburger Abt Edelin gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Zu seiner Zeit war die Blütezeit des Klosters bereits überschritten und es war bereits verarmt. Der Abt versuchte, in einem von ihm abgefassten Verzeichnis, dem so genannten „Codex Edelini“, den Verlust von zahlreichen Klostergütern zu stoppen und verlorene Güter zurückzugewinnen. Dieser Codex, im Landesarchiv Speyer aufbewahrt, erwähnt unter anderem auch die gewaltsame Loslösung von Klosterbesitz durch den Gaugrafen Otto von Worms im Jahr 985/991. Dort werden 68 geraubte Ortschaften aufgelistet, unter anderem auch unser „wingarten ultra renum“. Das Kloster besaß in dieser Zeit in Weingarten umfangreiche Besitztümer mit den dazu gehörenden Zehnten, Bauernhöfen und eine „basilica“. Der Klosterhof lag im Bereich der heutigen Schulen. Aus jener Zeit ist noch bis heute der große Gewölbekeller unter der Grundschule erhalten geblieben. Hier lagerte das Kloster seinen Wein ein, durchschnittlich zirka 6000 Liter (4 Fuder oder 40 Ohm) jährlich. Schon in dieser frühen Epoche sieht man, wie eng die Geschichte Weingartens mit dem Weinbau verbunden war.

Die erste urkundliche Erwähnung Weingartens durch den Abt Edelin war also zugleich das Ende der Abhängigkeit Weingartens vom Kloster Weißenburg. Nach 1004 gehörte Weingarten zu „Lehen des Grafen Konrad im Pfinzgau“, dem Sohn Ottos von Worms.

Der Klosterhof diente in der Zeit der Kurfürsten von Heidelberg bis zum so genannten „Reichsdeputationshauptschluss“ im Jahr 1803 als Amtskellerei. Als der badische Staat 1876 die Simultanschule einführte, erwies sich das Schulhaus über dem alten Amtskeller als zu klein. Deshalb setzte man ihm 1883 ein zweites Stockwerk mit Dachreiter auf. Da die Gemeinde weiter wuchs, musste 1906 ein drittes Stockwerk gebaut werden.

Lange Zeit hat man die Erstnennung Weingartens auf das Jahr 991 datiert. Wir  Weingartener feierten im Jahre 1991 mit einem großartigen Festzug die 1000-Jahrfeier unseres Dorfes. Das Jahr 991 basiert allerdings auf einem Fehler des Abtes Edelin, der die erst 295 Jahre später niedergeschriebenen Auflistungen von geraubten Gütern des Klosters in seinem „Codex“ auf dieses Jahr datiert hat. Doch steht es heute zweifelsfrei fest, dass Weingarten bereits 985 existiert hat.

Festumzugsbild 1991
Weinprobe im Grundschulkeller 1937

Ehemaliger Weinkeller des Klosters Weißenburg –

ältester erhaltener Raum in Weingarten

Ehemalige „Untermühle“ am Gailbumber.

Mühle vom Pfleghof des Klosters Weißenburg in Weingarten

1441 erstmals urkundlich erwähnt

Quellenangabe:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Weißenburg_(Elsass)

Wilhelm Kelch: Tausend Jahre Weingarten, Badendruck GmbH Karlsruhe;
Herausgeber Gemeinde Weingarten, 1985