Ausstellung Wilhelm und Erwin Holler

Ausstellung Wilhelm und Erwin Holler.
Der Bürger- und Heimatverein würdigt das Wirken der beiden Brüder
in ihrem Heimatort Weingarten

Die Brüder Wilhelm und Erwin Holler, Holzbildhauer und Glasmaler, haben in Weingarten bleibende Eindrücke und Spuren hinterlassen. Der Bürger- und Heimatverein hat ihr Andenken in einer eigenen Ausstellung, federführend von Sonja Güntner zusammengestellt, gewürdigt. Jedes einzelne Objekt hat sie aufwändig und akribisch mit Daten und erläuternden Texten versehen.
Zum Pressebericht der Ausstellung Wilhelm und Erwin Holler.

Geschichten aus dem Weingartener Sagenschatz (2. Auflage 2018)

Geschichten aus dem Weingartener SagenschatzAuf dem Weihnachsmarkt 2018 haben wir unser neustes Buch

„Geschichten aus dem Weingartener Sagenschatz“

von Pfarrer i.R. Klaus Hartmann (2. Auflage 2018)

vorgestellt.

Es kostet 9 Euro.

Unsere Bücher und Hefte können Sie
bei „Schreibwaren Holderer“, Bahnhofstraße 17,
beim „Bücherwurm“, Bruchsaler Straße 21, Eingang Schillerstraße,
in der „Bahnhofs-Apotheke“, Bahnhofstraße 125
oder im Heimatmuseum in der Durlacher Straße 30
käuflich erwerben.

Vortrag über den Kraichgau mit Thomas Adam

Vom „Homo Heidelbergensis“ bis zur TSG Hoffenheim

Thomas Adam sprach beim Bürger- und Heimatverein über den Kraichgau

 

(rof). Einen informativen und vergnüglichen Nachmittag erlebten die Besucher des Heimatmuseums am Sonntag, 04. November 2018.

Thomas Adam, Leiter des Kulturbereichs und des Museums der Stadt Bruchsal, verstand es in einem mitreisenden Vortrag, den Zuhörern das „Land der tausend Hügel“ oder die „Badische Toskana“ durch Wort und Bild näher zu bringen und stellte zugleich seine „Kleine Geschichte des Kraichgaus“ vor.

Ausgehend von der geografischen Verortung des Kraichgaus zwischen Schwarzwald im Süden und Odenwald im Norden sowie zwischen der Rheinebene im Westen und dem Neckar im Osten spannte Adam den historischen Bogen vom Frühmenschen „Homo heidelbergensis“ aus Mauer vor etwa 600.000 Jahren bis zum Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim, der den Kraichgau erst so richtig in Deutschland bekannt gemacht hat.

 
Vortrag über den Kraichgau von Thomas Adam

Der Homo heidelbergensis

In allen Kriegen seit der römischen Besiedlung sei der Kraichgau Durchgangsland gewesen und habe darunter oft gelitten. Von der Christianisierung durch iro-schottische Mönche zeugen heute noch die Michaelsberge in Untergrombach und Cleebronn, wo anstelle heidnischer Kultstatten Kapellen entstanden.

Das im Mittelalter von Zisterzienser-Mönchen gegründete Kloster Maulbronn und seine umliegende Landschaft mit Seen für die Fischzucht und Weinbergen ist heute Weltkulturerbe der UNESCO. Typisch für den Kraichgau bezeichnete Adam auch die vielen Burgen der Ritter und damit die Tatsache, dass jeder Ort eine eigene Herrschaft hatte. Viele Adelsgeschlechter bewohnen heute noch die Burgen und Schlösser ihrer Vorfahren. Grablegen und Epitaphe halten vielerorts die Erinnerung an den Ortsadel wach.

Eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung im Kraichgau spielen auch die fruchtbaren und ertragreichen Lössböden. Märkte in kleinen Städten und Flecken sorgten für Umsatz und Prosperitat. Eine politische Besonderheit war der Ort Kürnbach, der zu zwei Dritteln hessisch und zu einem Drittel badisch war und als sichtbaren Ausdruck der beiden Landesherren über zwei herrschaftliche Keltern verfugte. Interessant waren auch die Ausführungen des Referenten über prominente Persönlichkeiten aus dem Kraichgau. Sie reichten von Minnesängern über den geheimnisumwobenen Doktor Faustus aus Knittlingen und den Reformer Philipp Melanchthon aus Bretten bis zum Revolutionär Friedrich Hecker aus Eichtersheim und dem ersten Präsidenten der Bundesrepublik, Theodor Heuss aus Brackenheim.

In dieser Aufzählung durfte auch Samuel Friedrich Sauter, der Schulmeister in Flehingen und Zaisenhausen war, nicht fehlen. Durch das Gedicht „Das arme Dorfschulmeisterlein“ wurde er von Ludwig Eichrodt zum Prototyp des Biedermeier, welcher der Zeit des Vormärzes von 1815 bis zur Badischen Revolution von 1848/49 den Namen gab.

Sie war gekennzeichnet vom Rückzug der Menschen ins private Idyll als Antwort auf die politische Repression. Abschließend ging Thomas Adam noch auf das Thema „Touristik“ ein. Der Kraichgau werde zwar nicht die Bedeutung klassischer Feriengebiete erreichen, aber als attraktives Naherholungsgebiet zunehmend Boden gewinnen. Vorsitzender Wolfgang Wehowsky dankte dem Referenten für den aufschlussreichen Vortrag und überreichte ihm die Broschüre über das Weingartener Moor und ein Weinpräsent.

Nach der Veranstaltung moderierte MeinOrt-Weingarten.de ein Interview mit Thomas Adam.
Hier gelangen Sie zu dieser Filmsequenz.

Sonderaustellung im Heimatmuseum: Bäckereien in Weingarten

(Klaus Geggus) Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Weingarten noch sage und schreibe über zehn Bäckereien. Die bäuerliche Bevölkerung brachte in der Regel auch einmal in der Woche ihren selbst gemachten Teig (meist aus Roggenmehl in speziellen Brotkörben), für das Backen des bekannten Bauernbrotes zum nächstliegenden Bäcker. Zusätzlich brachten, häufig am Wochende, die fleißigen Hausfrauen oft mehrere Kuchen auf Blechen zur Backstube. Für die Brötchen (meist aus Weizenmehl), bei uns auch als „Weck“ bezeichnet, waren schon immer die Bäcker zuständig.
Erst als der Elektroherd aufkam, wurden die Kuchen vermehrt zu Hause gebacken und die Brotlaibe fertig beim Bäcker gekauft. Die Vielfalt an verschiedenen Brotsorten, so wie wir sie heute kennen, gab es damals allerdings noch nicht.

Die Weingartener konnten damals, wie bereits erwähnt, bei folgenden 12 Bäckereien einkaufen:
1. Oberdorf-Bäckerei früher „Völlm“, heute Bäckerei Eschbach
in der Jöhlinger Straße 20;
2. Bäckerei Schöffler („Schöfflerbeck“)
in der Bruchsaler Straße 2 gegenüber dem Rathaus;
3. Bäckerei Häcker („Häckerbeck“) am Marktplatz 18, früher in der Kirchstraße 12;
4. Bäckerei Koch („Kochebeck“) in der Bahnhofstraße 18, heute Bioladen „Füllhorn“;
5. Bäckerei Völker („Völkerbeck“) in der Bahnhofstraße 56.
6. Bäckerei Karg in der Bahnhofstraße 89;
vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich dort auch die erste Caféstube in unserem Ort;
7. Bäckerei Buchholz in der Schillerstraße 6,
vor dem Zweiten Weltkrieg die Bäckerei Siegrist;
8. Bäckerei Eberle in der Höhefeldstraße 5 – Ecke Schillerstraße;
9. Bäckerei Geis in der Gartenstraße 2,
ehemals Bäckerei Bauer, heute ein Friseursalon;
10. Bäckerei Höfle in der Paulusstraße
11. Bäckerei Albert in der Waldbrücke.
12. Bäckerei Lepp in der Bahnhofstraße 5
Außerdem gab es seit 1904 zusätzlich zu der nomalen Bäckerei
die Zwiebackfabrik Lepp in der Bahnhofstraße 5. Sie verkaufte in ganz
Deutschland den beliebten Zwieback und hatte den Ehrentitel „Großherzogliche
Hofbäckerei“. Im ehemaligen Verkaufsraum befindet sich heute das weithin
bekannte „la casetta del Cafe“.
(Bild wird nachgereicht: Vitrine zur Zwiebackfabrik Lepp im Wartturm)
Noch erwähnenswert ist die Bäckerei Höhn („Höhnebeck“) in der Bahnhofstraße 24, dort befindet sich heute der Friseursalon Manz. Hier wurde vor dem zweiten Weltkrieg der Betrieb eingestellt.

Von diesen vielen Bäckereien sind heute nur noch die Bäckerei Eschbach und die Bäckerei Karg übrig geblieben. Bei der ehemaligen Bäckerei Lepp verkauft die auswärtige Bäckerei Köhler ihre Waren und in der Ringstraße 1 wurde ein Verkaufsraum mit Cafestube von der Bäckerei Neff neu eingerichtet.
Auch in den Weingartener Lebensmittel-Einzelhandelsmärkten gehören heute Backwaren selbstverständlich zum Grundsortiment.

Gegenstände von der ehemaligen Bäckerei Georg Eberle
Die im Museum ausgestellten Gegenstände stammen von der ehemaligen Bäckerei Georg Eberle in der Höhefeldstraße.

Herr Eberle kam nach dem Ersten Weltkrieg von Obermumbach / Kreis Heppenheim
in Hessen als junger Bäckergeselle nach Weingarten und arbeitete bei Bäcker Friedrich Siegrist in der Schillerstraße 6, der auch die Gaststätte „Badischer Hof“ (damals bekannt als „Schlappe“) betrieb.
Er heiratete 1927 dessen Tochter Emilie Karoline Siegrist und errichtete als junger Bäckermeister seine eigene neue Bäckerei in der Höhefeldstraße. Ihr Sohn Walter Eberle erlernte ebenfalls das Bäckerhandwerk mit einem hervorragenden Abschluss.

Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahre 1955 betrieb er noch mehrere Jahre die Bäckerei, musste sie aber später aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.